Das Wesen von Mensch und Tier verstehen
Gesundheit entsteht, wenn wir Zusammenhänge erkennen.




Gesundheit beginnt für mich damit, ein Wesen zu verstehen








Warum Krankheit für mich nicht mit der Diagnose beginnt...


Wann beginnt Krankheit eigentlich?

Für mich nicht erst mit einer Diagnose - ich glaube, sie beginnt oft viel früher.

Vielleicht in dem Moment, in dem ein Mensch merkt, dass er nicht mehr richtig in seiner Kraft ist. Vielleicht schläft er schlechter, fühlt sich schneller erschöpft, entwickelt immer wieder Haut- oder Verdauungsprobleme oder spürt einfach, dass sich etwas verändert hat. 

Noch bevor eine Diagnose gestellt wird, zeigt der Organismus häufig längst, dass etwas nicht mehr in seiner Ordnung ist.


Bei einem Tier erleben wir etwas ganz Ähnliches. 

Vielleicht entwickelt es immer wieder Hautprobleme, Verdauungsbeschwerden oder Entzündungen, zeigt Veränderungen im Verhalten oder zieht sich mehr und mehr zurück. Auch hier macht der Organismus oft schon lange auf sich aufmerksam, bevor eine Erkrankung einen Namen bekommt.

Ganz gleich, ob Mensch oder Tier – meist beginnt nun die Suche nach einer Ursache. 

Beim Menschen richtet sich der Blick häufig auf Stress, Ernährung, Hormone oder Umweltbelastungen. Beim Tier werden Futter, Allergien oder andere äußere Einflüsse hinterfragt.

All das kann eine Rolle spielen. Und dennoch hatte ich in den letzten Jahren immer häufiger das Gefühl, dass diese Antworten allein nicht ausreichen.

Genau an diesem Punkt begann sich mein Blick auf Gesundheit langsam zu verändern.

Am Anfang stand für mich eine ganz bestimmte Frage: 

Warum kehren so viele Krebserkrankungen trotz moderner Medizin und vieler begleitender Therapien immer wieder zurück? 

Diese Frage beschäftigte mich immer wieder, denn in meiner Arbeit gab es Situationen, in denen sie plötzlich wieder auftauchte und ich erneut begann, darüber nachzudenken.

Je länger ich mich jedoch mit dieser Frage beschäftigte, desto mehr wurde mir klar, dass es eigentlich gar nicht nur um Krebs ging.
Eigentlich ging es um eine viel grundlegendere Frage:

Warum entwickeln Menschen und Tiere chronische Erkrankungen? Und warum reagiert jeder Organismus so unterschiedlich auf Belastung?

Je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde mir, dass chronische Erkrankungen nie nur eine einzige Ursache haben.
Mich begann vielmehr die Geschichte zu interessieren, die einer Erkrankung vorausgegangen war.
Doch je intensiver ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir:

Bevor ich verstehen kann, warum ein Organismus erkrankt, muss ich zunächst das Wesen verstehen, das ich vor mir habe.


Was verstehe ich unter dem Wesen eines Menschen oder eines Tieres?

Wenn ich von einem Wesen spreche, meine ich nicht nur den Körper und auch nicht nur das, was wir von außen sehen.
Für mich ist das Wesen die Gesamtheit dessen, was einen Menschen oder ein Tier ausmacht. 

Dazu gehören die Individualität, das Nervensystem, der Stoffwechsel, der Lebensrhythmus, die Regulationsfähigkeit, die Konstitution, aber auch die Potenziale, die Fähigkeiten und die Art, wie jeder Mensch und jedes Tier der Welt begegnet.

Genau deshalb kann es aus meiner Sicht keine Therapie geben, die für jeden Menschen und jedes Tier gleichermaßen passt. Was den einen Organismus unterstützt und ihm guttut, muss deshalb nicht automatisch auch einem anderen Organismus helfen. Nicht weil eine Therapie gut oder schlecht ist, sondern weil jedes Wesen andere Voraussetzungen, andere Ressourcen und eine ganz eigene Art mitbringt, Belastungen zu verarbeiten.


Deshalb beginnt meine Arbeit auch nicht mit der Frage, welche Therapie ich anwenden möchte.
Sie beginnt damit, das Wesen zu verstehen, das ich vor mir habe.

Ich möchte verstehen, wie dieses Wesen der Welt begegnet, wie es Belastungen verarbeitet, welche Stärken es mitbringt, wo seine natürlichen Grenzen liegen und was es braucht, um möglichst lange in seiner eigenen Ordnung leben zu können.

Zu diesem Gesamtbild gehören für mich nicht nur meine Beobachtungen, sondern auch die Eindrücke, die ich aus einem ausführlichen Gespräch, einem Anamnesebogen sowie Fotos und Videos erhalte.
Jeder dieser Blickwinkel beantwortet für mich eine andere Frage. Keiner allein beschreibt das ganze Wesen. Erst ihr Zusammenspiel lässt nach und nach ein möglichst stimmiges Gesamtbild entstehen.

Genauso wichtig sind für mich jedoch meine eigenen Beobachtungen. Ich frage mich: Wie zeigt sich dieses Wesen? Wie wirkt es auf mich? Welche Spannung oder Ruhe nehme ich wahr? Was erzählen mir der Blick, die Bewegung, die Körperhaltung sowie Haut, Haare oder Fell? Viele dieser Eindrücke lassen sich nicht sofort erklären. Sie entstehen aus langjähriger Erfahrung und fließen in dieses Gesamtbild ein.

Dieses Gesamtbild wird jedoch immer auch davon geprägt, welche Informationen ich erhalte. Ich kann nur mit dem arbeiten, was ich beobachten kann und was Menschen mir über sich selbst oder über ihr Tier erzählen. Die Menschen leben jeden Tag mit ihrem Tier. Ich begleite sie nur einen kleinen Abschnitt dieses Weges. Deshalb sind ihre Beobachtungen für mich genauso wertvoll wie meine eigenen.

Die meisten Menschen finden ihren Weg zu mir erst dann, wenn sie selbst oder ihr Tier spüren, dass etwas nicht mehr stimmt und sie die Zusammenhänge verstehen möchten.
Genau dort beginnt für mich meine eigentliche Arbeit. Mich interessiert dabei nicht nur, welche Erkrankung oder welche Beschwerden gerade sichtbar geworden sind. Ich frage mich vor allem, warum dieses Wesen aus seiner eigenen Ordnung geraten ist.

Für mich stehen weder Beschwerden noch Diagnosen für sich allein. Sie gehören immer zu einem Wesen und zu einer Geschichte, die oft schon lange begonnen hat, bevor die ersten Beschwerden sichtbar wurden oder eine Diagnose gestellt werden konnte. 

Deshalb beginnt meine Arbeit für mich auch nicht bei den Beschwerden. Sie beginnt bei der Geschichte, die dieses Wesen bis zu diesem Zeitpunkt gelebt hat.


Mich interessiert, wie viel Belastung dieses Wesen über einen langen Zeitraum getragen hat, welche Bedürfnisse gelebt werden konnten und welche vielleicht nicht und welche Rolle Beziehungen, Verantwortung, Alltag und Umfeld dabei gespielt haben.


Denn jedes Wesen bringt seine eigene Geschichte mit.


Und genau deshalb gibt es aus meiner Sicht keine Patentrezepte. Mich interessieren die Zusammenhänge.
Mich interessiert, wie Ernährung, Stoffwechsel, Nervensystem, Lebensrhythmus, Beziehungen, Umwelt und viele weitere Einflüsse ineinandergreifen und welche Geschichte sie gemeinsam erzählen.

Denn genau in diesen Zusammenhängen finde ich oft Antworten, die ich weder in einer einzelnen Diagnose noch in einer einzelnen Therapie finden würde.

Deshalb frage ich mich nicht als Erstes:
Welche Erkrankung hat dieser Mensch oder dieses Tier, sondern:


Was braucht dieses Wesen, damit es wieder in seine eigene Ordnung zurückfinden kann?


Und manchmal beginnt die Antwort auf diese Frage viel früher, als wir zunächst vermuten.
Vielleicht liegt genau darin der entscheidende Unterschied meiner Arbeit.

Diese Haltung ist nicht von heute auf morgen entstanden. Sie ist über viele Jahre gewachsen, weil ich mir immer wieder Fragen gestellt habe, weil ich beobachtet habe, weil ich Eindrücke gesammelt, Zusammenhänge gesucht und mich immer wieder selbst hinterfragt habe. 

Ganz besonders geprägt wurde dieser Weg jedoch durch meinen Hund Eloi, der meinen Blick auf Gesundheit grundlegend verändert hat.




Eloi war für mich weit mehr als nur mein Hund. Er war viele Jahre mein täglicher Begleiter und rückblickend auch derjenige, der meinen Blick auf Gesundheit grundlegend verändert hat. Damals war ich überzeugt, dass ich bereits ganzheitlich dachte und handelte. Ich achtete auf eine gute Ernährung, bekochte meine Hunde, ergänzte gezielt Mikronährstoffe, behandelte osteopathisch und versuchte, jedem Hund gerecht zu werden. Und trotzdem sollte mir Eloi zeigen, dass es noch eine tiefere Ebene gibt.

Heute weiß ich, dass ich damals schon vieles gesehen habe, manches jedoch noch nicht in größere Zusammenhänge einordnen konnte. Und ich bin sicher, dass ich auch heute noch längst nicht alles sehe. Denn jede Erfahrung, jede Begegnung und jedes Wesen eröffnet mir wieder einen neuen Blickwinkel.

Ich werde nie aufhören zu lernen, zu beobachten und Fragen zu stellen.

Schon lange bevor die Diagnose gestellt wurde, gab es Dinge, die ich wahrnahm, die ich damals jedoch noch nicht in ihrem größeren Zusammenhang verstanden habe.
Eloi zeigte über viele Jahre immer wieder dieselben Spannungsmuster, besonders im Übergang der Brust- zur Lendenwirbelsäule, und genau dort behandelte ich ihn immer wieder osteopathisch oder ließ ihn auch von anderen Therapeuten behandeln.
Damals betrachtete ich diese Spannungen vor allem als ein lokales Problem und fragte mich, wie ich sie möglichst gut lösen konnte.

Heute würde ich mir zusätzlich die Frage stellen, warum sein Organismus immer wieder genau diese Form der Kompensation gewählt hat.

Denn unter Kompensation verstehe ich die Fähigkeit des Organismus, Belastungen auszugleichen und seine Funktionen so lange wie möglich aufrechtzuerhalten – auch wenn dafür andere Bereiche des Körpers dauerhaft mehr leisten oder Spannungen übernehmen müssen.

Heute glaube ich, dass diese Spannungen nicht das eigentliche Problem waren, sondern Ausdruck dessen, wie sein Organismus über lange Zeit versucht hat, mit seinen Belastungen umzugehen.

Irgendwann bemerkte ich an genau dieser Stelle eine kleine Erhebung, die ich zunächst überhaupt nicht einordnen konnte. Ich wusste nur, dass sich dort etwas verändert hatte.
Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Diagnose, aber mein Gefühl sagte mir, dass dort etwas nicht stimmte – auch wenn ich nicht hätte sagen können, was es war.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass Eloi schwer erkrankt war. Für mich war er mein Hund mit wiederkehrenden Verspannungen, den ich begleitete, behandelte und gut zu kennen glaubte. 

Dann kam der Tag, an dem er während eines Spaziergangs plötzlich zusammenbrach. Von einem Moment auf den anderen war nichts mehr selbstverständlich. Wenig später erhielten wir die Diagnose: Insulinom.

Mit der Diagnose begann für mich deshalb nicht das Verstehen, sondern eine Zeit, in der ich vieles, was ich vorher gesehen hatte, noch einmal mit ganz anderen Augen betrachtete.

Die Diagnose war für mich zunächst ein Schock. Ich hatte zwar gespürt, dass etwas nicht stimmte, aber mit einer so schwerwiegenden Erkrankung hatte ich nicht gerechnet. 

Gleichzeitig begann mit diesem Tag eine intensive Zeit, in der ich Eloi noch etwa anderthalb Jahre begleiten durfte.
In diesen anderthalb Jahren begann ich vieles, was ich vorher beobachtet hatte, noch einmal mit ganz anderen Augen zu betrachten. Plötzlich bekamen Situationen, die mir früher eher nebensächlich erschienen waren, einen neuen Zusammenhang. Fragen, die ich mir vorher nie gestellt hatte, wurden auf einmal wichtig.

Mit der Zeit wurde mir immer deutlicher, dass Eloi mir nicht nur etwas über seine Erkrankung zeigte. Er zeigte mir auch, wie lange ein Organismus Belastungen tragen und ausgleichen kann, bevor er irgendwann an seine Grenzen kommt. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto häufiger fragte ich mich, ob das nicht auch für uns Menschen gilt.

Irgendwann wurde mir klar, dass Eloi mich nicht nur gelehrt hat, seinen Organismus besser zu verstehen. Er hat mir auch gezeigt, wie ich selbst gelebt habe. Ich begann zu erkennen, wie oft ich über viele Jahre meine eigenen Grenzen übergangen hatte, wie selbstverständlich ich immer weitergemacht hatte und wie sehr ich meine Kraft im Außen eingesetzt hatte, ohne mich wirklich zu fragen, was ich selbst eigentlich brauche.

Je mehr ich mich selbst beobachtete, desto häufiger stellte ich fest, dass wir Menschen oft ganz ähnlich funktionieren wie unsere Tiere. Wir gehen über unsere Grenzen hinweg, passen uns an, kompensieren, funktionieren weiter und nehmen vieles erst dann wahr, wenn der Organismus nicht mehr in der Lage ist, diese Belastungen auszugleichen.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum wir Beschwerden oft als etwas betrachten, das plötzlich entsteht. Aus meiner heutigen Sicht entsteht jedoch vieles über einen langen Zeitraum – oft leise, oft unbemerkt und häufig lange bevor wir überhaupt wahrnehmen, dass sich etwas verändert.

Genau darin liegt der Grund, warum ich heute nicht mehr nur nach einer Ursache suche. Mich interessiert vielmehr, welche Belastungen über einen längeren Zeitraum auf einen Organismus eingewirkt haben, wie er versucht hat, damit umzugehen und an welcher Stelle er begonnen hat zu kompensieren.

Für mich ist Kompensation deshalb kein Fehler des Organismus, sondern eine kluge Regulationsstrategie, die den Menschen oder das Tier trotz aller Belastungen möglichst lange im Gleichgewicht hält.

Die entscheidende Frage ist für mich nicht, wodurch Beschwerden oder Erkrankungen entstehen, sondern warum sie entstehen.


Ob ich das Warum immer vollständig erkennen kann, weiß ich nicht. Doch genau diese Frage begleitet mich bei jeder Begegnung mit einem Menschen oder einem Tier. Sie erinnert mich immer wieder daran, das Wesen nicht auf seine Beschwerden zu reduzieren, sondern nach den Zusammenhängen zu suchen, die hinter ihnen liegen.

Genau das ist der Grund, warum sich meine Arbeit im Laufe der Jahre immer weiter verändert hat. Denn je länger ich diesen Weg gehe, desto deutlicher wird mir, dass jede Antwort neue Fragen mit sich bringt.

Heute weiß ich vor allem eines:

Je mehr ich über Gesundheit lerne, desto weniger lässt sie sich für mich auf einfache Erklärungen reduzieren.

Und genau deshalb ist jede Begleitung für mich so individuell wie das Wesen selbst.

Für mich beginnt genau dort eine andere Art, auf Gesundheit zu schauen. Vielleicht geht es deshalb nicht immer zuerst darum, möglichst schnell eine Antwort zu finden, sondern zunächst die richtigen Fragen zu stellen.


Genau dort beginnt meine Arbeit.