Hund – Regulationskräfte, Rhythmus und angeborene Kompetenzen
Hunde sind soziale Wesen, die in einem Rudel oder einer stabilen Gruppe leben. Ihre Sicherheit, Orientierung und innere Ordnung hängen davon ab, dass sie ihre angeborenen Kompetenzen innerhalb der Gruppe leben können.
Hunde bringen diese Kompetenzen von Geburt an mit. Es handelt sich dabei nicht um Aufgaben, die vom Menschen vergeben werden, sondern um innere Fähigkeiten und Anlagen. Begriffe wie Kundschafter, Wächter oder Entscheidungsträger beschreiben unterschiedliche Kompetenzqualitäten, keine Rollen im menschlichen Sinne. Diese entstehen nicht durch Erziehung oder Zuschreibung, sondern aus Wesen, Temperament und Prägung des Hundes.
Am Anfang seines Lebens weiß ein Hund sehr genau, was er kann. Unordnung entsteht dort, wo der Mensch diese Kompetenz nicht erkennt oder dem Hund keinen Raum lässt, sie zu leben.
Rhythmus und Struktur
Feste Abläufe und Rituale stabilisieren den inneren Rhythmus:
Regelmäßige Fütterungszeiten, Spaziergänge, Ruhephasen, Rückzugsmöglichkeiten und gemeinsame Aktivitäten geben Orientierung und fördern die Selbstregulation.
Die Rolle des Menschen
Übermäßiges Eingreifen, widersprüchliche Erwartungen oder ständige Korrektur verhindern, dass der Hund in seiner natürlichen Kompetenz bleibt. Ein Hund muss nichts „lernen“, um richtig zu sein – er braucht ein Umfeld, das seine Fähigkeiten respektiert und ermöglicht.
Verlässliche Bezugspersonen und klare Strukturen
Hunde nehmen die innere Haltung ihrer Menschen sehr genau wahr und spiegeln sie. Hektik, emotionale Unruhe oder inkonsistente Abläufe stören die Regulationskräfte und können zu Unsicherheit, Übererregung, Rückzug, Aggression oder Trennungsängsten führen.
Hundespezifische Verhaltensauffälligkeiten unter Stress
Ständiges Bellen, Hyperaktivität, Angstreaktionen, Zerstörungsdrang, Unruhe, übermäßiges Klammern sowie sogenanntes Pica-Verhalten – das unreflektierte Aufnehmen oder Fressen von Kot, Erde, Steinen oder anderen ungeeigneten Materialien.
Hundespezifische körperliche Symptome unter Stress oder Unordnung:
Verspannungen im Bewegungsapparat bis hin zu Blockaden, Verdauungsprobleme, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Futterunverträglichkeiten, Allergien, wiederkehrende Entzündungsprozesse und erhöhte Infektanfälligkeit.
Rückzug und echte Ruhe sind essenziell, damit sich das Nervensystem regulieren und körperliche Symptome zurückbilden können.
Ein Hund bleibt in seiner Ordnung, wenn er seine angeborenen Kompetenzen leben kann, seine Beziehung zum Menschen klar ist und der Alltag strukturiert, rhythmisch und verlässlich gestaltet wird. Durch die enge Nähe zum Menschen reagiert der Hund besonders sensibel auf Unordnung im gemeinsamen Feld.
Pferd – Regulationskräfte, Rhythmus und soziale Ordnung
In der natürlichen Umgebung leben Pferde in stabilen Herden mit klarer sozialer Ordnung. Diese entsteht nicht durch starre Hierarchie, sondern durch verlässliche Beziehungen, Erfahrung, Präsenz und gegenseitige Orientierung.
In der heutigen Haltung – besonders im Reitstall – ist diese natürliche Ordnung oft nicht gegeben. Häufige Stallwechsel, wechselnde Gruppen, große Herden oder das Zusammenstellen unverträglicher Tiere führen zu permanenter Instabilität. Für das hochsensible Fluchttier Pferd bedeutet das chronischen Stress.
Pferde reagieren äußerst fein auf ihr Umfeld. Sie nehmen Spannungen, Unsicherheit und innere Unruhe ihres Menschen schon aus großer Entfernung wahr.
Rituale und Vorhersehbarkeit
Feste Fütterungszeiten, klare Ruhe- und Bewegungsphasen, verlässliche Abläufe im Stall und vorhersehbare Interaktion mit Menschen stabilisieren das Nervensystem des Pferdes.
Typische Stressanzeichen beim Pferd
Koppen, Weben, Hypervigilanz (ständige Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit), innere Unruhe, Rückzug, Aggression, Abwehrverhalten bei Berührung oder Arbeit.
Körperliche Folgen chronischer Fehlregulation
– Verspannungen im Rücken-, Hals- und Beckenbereich
– erhöhte Verletzungsanfälligkeit
– Magen-Darm-Probleme, Koliken
– Hautprobleme wie Juckreiz, Ekzeme, Nesselsucht oder entzündliche Hautreaktionen
– verminderte Lern- und Kooperationsfähigkeit
Ein Pferd bleibt in seiner Ordnung, wenn es ein stabiles Umfeld, vorhersehbare Abläufe und einen Menschen hat, der innerlich klar, präsent und reguliert ist.
Katze – Regulationskräfte, Rhythmus und Territorium
Katzen sind territoriale Tiere. Ihre Sicherheit und innere Ordnung hängen von einem klar abgegrenzten Lebensbereich, verlässlichen Abläufen und ausreichenden Rückzugsmöglichkeiten ab.
Feste Fütterungszeiten, sichere Ruheplätze, Spiel- und Jagdmöglichkeiten sowie konstante Bezugspersonen stabilisieren ihr inneres Gleichgewicht.
Katzen sind keine Rudeltiere. Zu viele Katzen in einem begrenzten Raum, konkurrierende Ressourcen oder fehlende Rückzugsorte führen zu chronischem Stress.
Evidenzbasierte Stressfolgen
Chronischer Stress schwächt das Immunsystem und begünstigt körperliche Erkrankungen.
Typische körperliche Symptome
Allergien, Futterunverträglichkeiten, wiederkehrende Ohren- oder Hautentzündungen, FORL (Zahnerkrankungen), Probleme beim Auswürgen verschluckter Haare.
Typische Verhaltensauffälligkeiten
Übermäßiges Putzen, Rückzug, Aggression, Markieren, Unsauberkeit.
Eine Katze bleibt in ihrer Ordnung, wenn ihr Territorium überschaubar ist, Ressourcen nicht konkurrieren und ihr Lebensraum ihren natürlichen Bedürfnissen entspricht.
Translokation
In meiner Arbeit steht nicht das Symptom im Vordergrund, sondern die Ordnung im Feld, in dem Mensch und Tier miteinander verbunden sind. Viele körperliche und verhaltensbezogene Auffälligkeiten entstehen nicht isoliert, sondern durch anhaltende Fehlregulationen im Nervensystem und durch Überlagerungen im gemeinsamen Feld.
Translokation – Arbeit mit dem Nervensystem
Unter Translokation versteht man eine neurobiologisch fundierte Form der Regulationsarbeit, die darauf abzielt, das Nerven-, Bewegungs- und Körpersystem aus Dauerstress, Überforderung oder innerer Blockade in seine natürliche Ordnung zurückzuführen.
Es geht nicht um Training, Konditionierung oder Symptombehandlung, sondern um: